Berichte 2018

Varroabehandlung mit dem Varroa Kill II

Zu unserem Monatstreffen im Mai luden wir Michael Broser zu einem Vortrag ein. Er hat das Hyperthermie-Gerät zur Varroabehandlung, „Varroa Kill II“, entwickelt. Seine Präsentation begann mit einem Einblick in die Biologie und Lebensweise der Varroamilbe, blickte dann auf die Behandlung der Bienen mittes Wärme (Hyperthermie) und schloss mit der Funktionsbeschreibung des Varroa Kill II.

Die hierzulande am häufigsten anzutreffende Milbe ist die Varroa destructor. Sie ist eine von 4 Varroa-Arten und hat Deutschland in den 70er Jahren aus Asien erreicht. Dort hat sich ein natürliches Gleichgewicht zwischen Honigbienen und Milben entwickelt. Die asiatische Apis cerana weist ein ausgeprägtes Putzverhalten auf, räumt die Brut befallener Zellen komplett aus und durchläuft eine kürzere verdeckelte Brutphase. Im Gegensatz zur Apis cerana hat unsere Apis mellifera der Milbe wenig entgegenzusetzen, weshalb sie konsequent bekämpft werden muss.

Die Milbe lebt ausschließlich im Bienenstock, sie vermehrt sich in den Brutzellen und nutzt die Biene als Nahrungsquelle und Transportmittel. Sie schwächt die erwachsenen Bienen und schädigt die junge Brut in den verdeckelten Zellen. Das Volk ist somit anfälliger für weitere Krankheitserreger oder kann sogar bis zum Totalausfall geschädigt werden. Zudem verbreiten befallene Völker die Milbe in andere Völker aus (durch Verflug, Drohnen, Räuberei).

Die weibliche  Milbe pflanzt sich in ihrem Leben 3-6x fort. Kurz vor der Verdeckelung schlüpft sie in die Brutzelle. Nach etwa 60 Stunden schlüpft aus dem ersten Ei ein Männchen, dann alle weiteren 30 Stunden eine weibliche Tochtermilbe, bis der Vorgang durch die Entdeckelung gestärt wird. Somit entstehen in der Brutzelle einer Arbeiterin 1-2 neue Milben, in der einer Drohne sogar 2-4.  Von Frühjahr bis Herbst vermehrt sich die Milbe um den Faktor 100 (sind im Frühjahr 100 Milben im Volk, so wächst ihre Zahl ohne imkerlichen Eingriff bis zum Herbst auf 10.000). Die Brutzellen von Drohnen werden 8 bis 11x häufiger befallen als die von Arbeiterinnen. Gründe hierfür sind die längere Verdeckelungsdauer von Drohnen (und damit die größere Vermehrungsrate der Milbe innerhalb der Zelle), die niedrigere Temperatur der Drohnenzellen und die häufigere Fütterung durch Ammenbienen, wodurch der Eintrag einer Milbe in die Brutzelle wahrscheinlicher wird.

Die Hyperthermie, also die künstliche Übererwärmung des Bienenstocks, wurde Anfang der 80er Jahre zum ersten Mal in Russland erforscht. Man fand heraus, dass erwachsene Bienen Temperaturen bis 50°C aushalten, junge Milben jedoch sterben bereits bei 41°C. In der Zeit von 1985 bis in die 90er Jahre gab es auch grundlegende Forschung in Deutschland, anschließend wurde es bis 2010 ruhig im Bereich der thermischen Milbenbekämpfung. Die Kombination aus Pestiziden und der Varroamilbe führte schließlich 2011/12 zu großen Problemen in der Imkerei. 2013 schließlich untersuchte die Uni Würzburg den Einfluss der Temperatur auf die Sterblichkeit der Milbe. Bei 41°C über drei Stunden starben 70% der Milben, bei 42°C über die selbe Zeit schon 98%. Die Bienenbrut litt erst bei Temperaturen über 43°C.

Auf diesen Daten und dem Varroa Kill I von Peter Wohlmuth aus dem Jahr 2004 aufbauend entwickelte Broser den Varroa Kill II. Das Gerät heizt das ganze Bienenvolk oder reine Brutwaben je nach Betriebsmodus über die Dauer von 2-3 Stunden auf eine Temperatur von 42°C auf. Die Wärme wird durch Luftzirkulation im Stock verteilt. Daher ist ein Verschließen des Gitterbodens und Einengen des Fluglochs notwendig. Die Bienen halten trotz erhöhter Temperatur die Luftfeuchtigkeit aufrecht, unterstützend kann der Imker ein feuchter Schwamm während der Behandlungsdauer in die Beute legen. Bei Regen sollte das Gerät nicht eingesetzt werden, da sich im Lauf der Behandlungszeit bis zu 3/4 des Bienenvolkes nach außen flüchtet.

Behandelt wird bei Bedarf und unter Berücksichtigung möglicher Milben-Reinvasion. Im Notfall ist auch eine Winterbehandlung möglich. Laut Broser haben sich drei Behandlungen bewährt: die erste bei Flugwetter im März, dann je nach Milbenfall im Juni bis August und schließlich die letzte ab September.

Mit diesem Gerät ist kein Einsatz von Chemie mehr erforderlich, was Rückstandsbildung in Wachs und Honig sowie Resistenzbildung bei den Milben vermeidet. Das Gerät ist individuell einsetzbar, auch vor dem Honigschleudern oder einfach nur zur vorsorglichen Behandlung. Nachteilig angeführt werden müssen der höhere Zeitaufwand in der Behandlung eines Volkes und das häufigere Behandeln im Vergleich zu konventionellen Mitteln. Außerdem werden die Drohnen, die während der Behandlung als Brut in den Zellen waren, unfruchtbar, auch können Stifte und unverdeckelte Brut absterben.

Der Varroa Kill II kostete zum Zeitpunkt der Verfassung dieses Artikels 699 Euro und kann über silentfuturetec.at bezogen werden.

Imkerei und moderne Landwirtschaft

Das Thema unseres Monatstreffens im Februar war das Spannungsfeld zwischen Imkerei und moderner Landwirtschaft. Florian Wurzer, selbst Imker seit 6 Jahren im Kreis Aichach-Friedberg, referierte über verschiedene Berührungspunkte beider Seiten.

Das Spannungsfeld sei im Lauf der Zeit durch Weiterentwicklung entstanden: von der Korbimkerei zur modernen Magazinimkerei, von der früheren Landwirtschaft mit Pferden zu den heutigen hochtechnisierten Geräten. Dabei halten immer weniger Landwirte selbst Bienen, so wie es früher meist üblich war. Imkerei und Landwirtschaft habe sich also mehr und mehr getrennt voneinander weiterentwickelt. Dennoch beeinflussen die angebauten Kulturen die Imkerei..

Als Beispiel zog Wurzer die Rapspflanze heran. Raps ist eine intensive und ertragreiche Kultur (3-5,5 Tonnen je Hektar). Er wird vorwiegend in Norddeutschland auf ca. 1,3 Millionen Hektar der insgesamt 16,7 Millionen Hektar Ackerfläche angebaut. In Bayern ist der Anbau durch sinkende Preise und Abnahmen rückläufig. Raps hinterlässt einen guten Boden und ist in der Landwirtschaft daher eine ideale Vorfrucht zu Getreide. Er wird zu 60% durch den Wind bestäubt. Die anderen 40% sind Fremdbestäubung, die jedoch den gesicherten Ertrag hervorbringt.

Die Rapspflanze zieht in ihrer ganzen Vegetationszeit viele Schädlinge an. Daher ist ein intensiver Einsatz von Pflanzenschutzmitteln notwendig. Während der Blütezeit dürfen nur bienenungefährliche Mittel verwendet werden. Wurzer betonte, dass die Mittel nicht pauschal ausgebracht werden, sondern erst nach der Überschreitung bestimmter Schadschwellen. Mittels einer sogenannten Gelbschale kontrolliert der Landwirt den Schädlingsbefall und entscheidet davon ausgehend, ob Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden müssen oder nicht. Die Anwendung unterschiedlicher Mittel beuge zudem Resistenzbildungen vor.

Die intensive Behandlung des Rapses sei notwendig, um hohe und sichere Erträge einfahren zu können. Ohne sie wäre der Anbau nicht mehr rentabel, der Raps würde von den Äckern verschwinden und als wertvolle Frühtrachtpflanze für die Bienen verloren gehen, so das Credo von Wurzer.

Ebenfalls von Nutzen für die Imkerei ist das Greening. Um EU-Direktzahlungen erhalten zu können, müssen Landwirte mindestens 5% ihrer Ackerflächen als ökologische Vorrangflächen bereitstellen. Hierzu zählen auch Hecken, Terrassen und Feldgehölze, welche durch ihre Blütenvielfalt einen hohen Nutzen für die Imkerei mit sich bringen.

Weiterhin ist auch der Waldumbau für Imker interessant. Um klimatolerante und stabile Mischwälder aufzubauen, werden blühende Laubbäume in Nadelholzbestände gesetzt. Von 100.000 Hektar Wald in Bayern sind derzeit jedoch nur etwa 30.000 Hektar umgebaut. Hier ist also noch Potenzial, um weitere Trachten für unsere Bienen zur Verfügung zu stellen.

Wurzer schloss mit dem Fazit, dass Imker und Landwirte beide von ihren Erzeugnissen leben können müssen. Daher sei eine Zusammenarbeit unabdingbar. Er empfahl den Imkern, direkt mit den Landwirten ins Gespräch zu gehen und die vorgestellten Themen wie z.B. Greening oder Waldumbau anzusprechen. Gute Standorte sollten seiner Meinung nach für die landwirtschaftliche Produktion vorbehalten sein, weniger gute Standorte könnten für einen ökologischen Ausgleich herangezogen werden. Er schloss mit dem Hinweis, dass nicht nur Landwirte Flächenbesitzer sind. Auch Kommunen und Gartenbesitzer haben Flächen, die eventuell insektenfreundlicher umgestaltet werden könnten.

In den regen Diskussionen während und nach des Vortrags wurden weitere Themen angesprochen. Es gab einen kleinen Einblick in die ökologische Landwirtschaft. Die Gefahr der Resistenzbildung und die ungewollte Selektion eines Superschädlings durch dauerhafte Behandlung wurden thematisiert. Und nicht zuletzt wurde ein Ausweichen auf Ackerpflanzen angesprochen, die mehr natürliche Resistenzen gegen Schädlinge und Krankheiten aufweisen und dadurch weniger intensiv mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden müssten.

Wir danken Florian Wurzer für den interessanten Vortrag und allen Anwesenden für ihre Wortmeldungen und Beiträge rund um das Thema!

Bienenbeuten-Baukurs

Die Jungimker aus dem Ausbildungsjahr 2017 haben unter der Leitung von Franz Wundlechner einen Bienenbeuten-Baukurs durchgeführt. Unter der fachmännischen Anleitung von Franz wurden 3,2 cbm Weymouthskiefer an mehreren Wochenenden verarbeitet - das beachtliche Ergebnis der Aktivitäten: 140 Zargen für 10 Rähmchen Zander, 33 Futterzargen, 35 Absperrgitter, 35 Böden, 40 Deckel und die Verarbeitung von mehr als 5.000 Edelstahlschrauben.

Neben dem Nutzen stand für die Teilnehmer Christiane Sturm, Franz Wundlechner, Fabian Doldi, Ferdinand Hör, Lars Brookman und Klaus Wagner vor allem der Spaß, der Austausch und das gemeinsame Interesse an den Bienen im Vordergrund. Unser Dank für die fachliche Begleitung richtet sich an den 1. Vorsitzenden Otmar Frey und an den Schulungsleiter Roland Weis, welche mit Rat und Tat zur Verfügung standen.

Die Idee, das Konzept und die methodische Durchführung von Franz haben sich so gut bewährt, dass sich ein Kernteam gebildet hat, welches dem Imkerverein für zukünftige zur Verfügung stehen wird. Kurz darauf wurden bereits die ersten Änderungen am Lehrbienenstand vorgenommen und es gibt auch schon Anfragen zu Beuten-Bausätzen von weiteren Imkervereinen. Innovative Ansätze zur Verbesserung der „Blühende Landschaft Stauden“ wurde im Rahmen des Baukurses ebenfalls diskutiert und erste Maßnahmen wurden bereits in Angriff genommen - wir freuen uns auf das neue Bienenjahr!

Wir dürfen Franz und allen Beteiligten für das Engagement danken und würden uns sehr freuen, wenn dieses Team auch in der Zukunft für den Imkerverein zur Verfügung steht, um möglichst vielen Interessierten den Einstieg in die faszinierende Welt der Bienen zu ermöglichen.