Berichte 2019

Neue Bedrohungen in der Imkerei

Im März ging es im Monatstreffen um neue Bedrohungen in der Imkerei. Christian Maushart, Bienensachverständiger und Bio-Imker mit 80 Völkern, präsentierte uns, was uns Imkern und unseren Völkern demnächst blühen könnte.

Die Tatsache, dass Honigbienen ohne uns Imker kaum überlebensfähig sind, ist mittlerweile bekannt. Ebenso einige Bedrohungen, auf die der Imker achten muss: Nosema, Tracheenmilbe (wird durch Ameisen- und Oxalsäure-Behandlungen eingedämmt), Kalkbrut, Steinbrut (auch für den Menschen gefährlich!), europäische und amerikanische Faulbrut und natürlich die Varroamilbe.

„Neue“ Bedrohungen entstehen und ergeben sich durch mehrere Faktoren: durch die moderne Landwirtschaft, globale Erwärmung, vermeintliche „Heilsbringer“ in der Imkerei und durch biologische Invasion. Maushart ging in seinem Vortrag auf den letzten Punkt ein.

Biologische Invasoren (Neozoen und Neophyten) sind durch den Menschen verbreitete Tier- und Pflanzenarten, die heimische Arten bedrohen und verdrängen können. Sie haben in ihrem neuen Lebensraum meistens keine natürlichen Feinde und können sich daher ungehindert ausbreiten. Zu den Neophyten gehören beispielsweise das Springkraut und der Riesen-Bärenklau. Aber auch unter den Tieren gibt es Invasoren (Neozoen): die spanische Wegeschnecke, der Braunbär und der asiatische Laubholzbockkäfer zählen dazu. Relevant für die Imkerei sind hier unter anderem der Waschbär, der Bienenstöcke zerlegen kann um an den Honig zu kommen und die Kirschessigfliege. Diese legt ihre Eier in reife Früchte, die daraufhin faulig werden. Gerade in trachtlosen Zeiten nehmen Bienen den austretenden Saft auf, der dann den Honig verunreinigt und marktunfähig macht.

Zu den Neozoen gehören auch einige Insekten, die den Bienen ebenfalls schaden können und die sich demnächst auch bei uns verbreiten könnten:

Die Tropilaelaps-Milbe:  sie ähnelt im Krankheits- und Schädigungsbild der Varroamilbe, ist aber etwas kleiner. Ihre Entwicklungsdauer ist, verglichen mit der Varroamilbe, etwa dreimal so schnell. Damit ist sie für das Bienenvolk gefährlicher. Die Bekämpfung der Milbe erfolgt auf die gleiche Art wie im Fall der Varroamilbe mit einem besonderen Schwerpunkt auf die Brutpause, da die Tropilaelaps-Milbe nur 1-2 Tage ohne Bienenbrut überleben kann. Laut Maushart müssen wir Imker uns darauf einstellen, dass die Tropilaelaps-Milbe in absehbarer Zeit bei uns ankommt. Er riet uns zu erhöhter Aufmerksamkeit und wies uns darauf hin, dass ihr Vorkommen meldepflichtig ist.

Der kleine Beutenkäfer: er ist 2014 in Italien angekommen. Der adulte Käfer ernährt sich von Honig und Bienenbrut und schwächt damit das Volk. Darüber hinaus zerfressen seine Larven die Waben komplett, so dass innerhalb weniger Wochen ein Bienenvolk zerstört werden kann. Mit einigen Strategien kann heute schon etwas unternommen werden, um es dem kleinen Beutenkäfer schwer zu machen, bei  uns Fuß zu fassen: am Bienenstand auf Hygiene achten (z.B. keine unbesetzten Beuten/Waben offen stehen lassen), keine Waben zwischen Bienenvölkern tauschen, Honigwaben sofort ausschleudern und nicht vorher länger lagern, starke Völker halten und die Bienenstände etwa alle 3-4 Monate verlegen. Bei Verdacht auf den kleinen Beutenkäfer besteht Meldepflicht!

Die asiatische Hornisse (Vespa velutina): die Wespe schwebt vor dem Flugloch und fängt zurückkehrende Bienen in der Luft ab.  Sie ist 2018 in Baden Württemberg und Hessen gesichtet worden. Mit bis zu 6mm hat sich einen so langen Stachel, dass ein Imkeranzug als Schutz nicht mehr ausreichend ist. Sichtungen sollten dokumentiert werden (Fotos) – da aber Verwechslungsgefahr mit der geschützten heimischen Hornisse besteht, dürfen sie nicht gefangen werden!

Die Buckelfliege (Apocephalus borealis): sie legt ihre Eier in Bienen, die daraufhin von der schlüpfenden Larve aufgefressen werden. Befallene Bienen fliegen häufig nachts aus. Die Buckelfliege wird in den USA in Zusammenhang mit der Colony Collapse Disorder gebracht. Dabei ist weniger der Verlust befallener Einzelbienen problematisch, sondern die damit einhergehende Verbreitung anderer Bienenkrankheiten. Die Buckelfliege ist seit 2014 in Belgien.

Die asiatische Riesenhornisse (Vespa mandarinia): große Hornissenart, die sich auch Bienen zur Fütterung ihrer Larven holt. Kundschafterinnen teilen dem Volk den Fund eines Bienenstocks mit. Daraufhin überfallen die Arbeiterinnen gemeinsam das Volk. Gegen die große Hornissenart haben Honigbienen keine Chance. Die Riesenhornisse ist noch nicht bei uns angekommen, doch sei es nur eine Frage der Zeit, so Maushart.

Der Imkerverein Stauden bedankt sich bei Christian Maushart für den zwar inhaltlich wenig erfreulichen, dafür aber informativen und kurzweiligen Vortrag!

Jahreshauptversammlung

Am 29. Januar fand die Jahreshauptversammlung des Imkervereins Stauden im Gasthaus Riedler in Langenneufnach statt. Der Vorsitzende Otmar Frey begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder sowie den zweiten Bürgermeister von Langenneufnach, Gerald Eichinger.

Der Imkerverein Stauden ist im vergangenen Jahr um 19 neu aufgenommene Mitglieder auf nun insgesamt 103 Mitglieder angewachsen. Damit kann der Verein innerhalb der letzten fünf Jahre über 60 Neuaufnahmen verzeichnen.

Jahresrückblick In den Monatstreffen waren viele interessante Themen geboten. Die Versicherungsmöglichkeiten eines Imkers wurden vorgestellt, es gab einen  Exkurs in die Landwirtschaft mit einem detaillierten Einblick in die Zusammenhänge zwischen Ertragsleistung und Pestizidbehandlungen am Beispiel der Rapspflanze. Ein großes Thema war auch die Varroamilbe und den Bekämpfungsmöglichkeiten mit Geräten (z.B. Bienensauna, Varroa-Killer-Sound) und imkerlichen Maßnahmen (z.B. Bannwabenverfahren).

Beschlüsse und Neuwahlen Die anwesenden Wahlberechtigten beschlossen die neue Satzung des Imkervereins Stauden. Der Vorstand des Imkervereins setzt sich nach den Neuwahlen nun wie folgt zusammen: 1. Vorsitzender: Otmar Frey, 2. Vorsitzender: Roland Weis, 1. Schriftführer: Manuel Glückler, 2. Schriftführer: Manfred Mayr, Kassierer: Fabian Doldi, Beisitzende: Joachim Geyer, Franz Wundlechner, Ferdinand Hör und Rainer Nitzer.

Lehrbienenstand 2018 wurde an der Westseite des Lehrbienenstands ein Wetterschutz angebracht und eine Regentonne zur Wassergewinnung aufgestellt. Die Völker im  Lehrbienenstand wurden von den Probeimkern betreut. Im Herbst führte die Beschattung des Lehrbienenstands durch die nahestehenden Pappeln zu hoher Feuchtigkeit in den Bienenvölkern, was eine Schimmelbildung begünstigt. Gemeinsam mit der Gemeinde Langenneufnach soll hier eine Lösung gefunden werden. Der Verein freute sich auch über eine zweite Bienenstockwaage, die ihm von Bienenfachberater Johann Fischer überreicht wurde und noch in Betrieb genommen werden muss.

Probeimker Im vergangenen Jahr erlernten 10 Probeimker unter fachkundiger Anleitung die Imkerei. Sie erfuhren unter anderem wie man Brutableger erstellt, Honig schleudert, Völker umweiselt und sie im Spätsommer gegen die Varroamilbe behandelt. Der nächste Kurs für Probeimker startet Anfang 2020.

Ehrungen Otmar Frey beehrte mit einer Urkunde Hermann Fischer für 70 Jahre, Josef Brecheisen für 40 Jahre und Meinrad Frey für 15 Jahre Vereinsangehörigkeit.

Otmar Frey (m.) würdigte die langjährige Vereinstreue von Meinrad Frey (l.) und Josef Brecheisen (r.)